Zur Geschichte der Marktgemeinde Kapelln
Die Geschichte der Marktgemeinde Kapelln geht, wie Werkzeugfunde im „Petronell“, Killing und Katzenberg belegen, bis in die Stein- und Bronzezeit zurück.
Die Römer legten ihre Zivilstraße von Carnuntum über Vindobona (Wien) nach Aelium cetium (St.Pölten) so an, dass sie bei Kapelln die Perschling querte (römischer Meilenstein im Hochfeld von Miesting). An der Stelle der heutigen Filialkirche von Katzenberg errichteten sie einen Kontrollpunkt, wovon noch heute das Mauerwerk im Chorraum der Kirche zeugt.
Nach dem Zusammenbruch des römischen Imperiums und dem damit verbundenen Abzug der römischen Bevölkerung im 5. Jahrhundert sickerten slawische und awarische Volksstämme ein. Sie gaben dem Fluss, der durch die Gemeinde führt, den Namen "Perschling", was soviel wie „Birkenbach“ bedeutet.
In der Zeit der fränkisch-bayrischen Kolonisation im 9. Jahrhundert und der damit verbundenen Verwaltungsorganisation wird die Geschichte Kapellns urkundlich fassbar. Die Länder und Güter wurden vorwiegend an bayrische Ministeriale verteilt. In diese Zeit dürfte auch der Ort Kapelln seinen Namen bekommen, der auf eine Burgkapelle eines Ministerialen schließen lässt.
Die Pfarre Kapelln wurde in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts vom Bistum Passau als Urpfarre errichtet. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts übergab Passau die Pfarre dem Augustiner Chorherrenstift St.Pölten, dem es bis zur Diözesangründung vor 200 Jahren zugehörte.
Nach den Türkeneinfällen im 16. Jahrhundert und einer Brandkatastrophe wurde die Pfarrkirche im gotischen Stil umgebaut. Im 17. Jahrhundert erfolgte der barocke Ausbau. Die Pfarrkriche von Kapelln ist der Hl. Petronilla, einer römischen Märtyrin, geweiht.
Epidemien, wie die Pest 1717, hinterließen ihre Spuren, woran heute die Pestkreuze in Etzersdorf, Rassing und Miesting erinnern.
An den Durchzug der Franzosen zu Beginn des 19. Jahrhunderts erinnern eine Reihe von "Franzosenkreuzen" im Gemeindegebiet. Die napoleanischen Truppen sollen die Gegend völlig ausgeplündert haben.
Durch die beiden Weltkriege wurde Kapelln stark in Mitleidenschaft gezogen. Knapp vor Ende des 2. Weltkrieges begegneten einander die Truppen der Roten Armee und die sich nach Westen zurückziehenden Einheiten der Deutschen Wehrmacht. Das Kriegerdenkmal neben der Kirche erinnert an die vielen Opfer der beiden Weltkriege.
Die Ortsgemeinde Kapelln wurde 1854 durch die Vereinigung der Katastralgemeinde Kapelln mit den Katastralgemeinden Etzersdorf, Katzenberg, Killing, Panzing mit Miesting, Pönning, Rapoltendorf und Rassing konstituiert. 1971 wurde die Gemeinde Kapelln mit Thalheim vereinigt. Das neue Gemeindegebiet umfasst somit 20 km².
Am 3. Oktober 1978 verlieh die NÖ Landesregierung der Gemeinde Kapelln ihr eigenes Wappen, das die Kirche und den Perschlingfluss charakterisiert.
Fünf Jahre später, 1983, wurde Kapelln zur Marktgemeinde erhoben. Damals war Siegfried Ludwig Landeshauptmann von NÖ, Josef Schmied Bürgermeister von Kapelln.
1979 wurde im Ortszentrum ein 18 Meter hoher Gewerbebaum errichtet, der die Verbundenheit zur Geschichte sowie die Bedeutung der Berufe in der Gegenwart zeigen soll.
Die Zunftzeichen stehen für die Berufe: Wagner, Gärtner, Friseur, Kaufmann, Tischler, Sattler, Schmied, Bäcker, Schneider, Mechaniker; Landmaschinenschlosser, Gastwirt, Fassbinder, Fleischhauer, Brunngraber, Schuster, Transport, Handel, Lohndrusch, Glaser.
Der Gewerbebaum wurde 2006 erneuert.
Die ehemalige "Reichsstraße", die heutige Bundesstraße 1, war bis zum Bau der Westautobahn die bedeutendste Verbindung zwischen Ost und West. 1993 wurde bei dieser Brücke die Bronzestatue des hl. Petrus mit der hl. Petronilla errichtet.
Als erster Papst der Kirche trägt Petrus, wie alle Päpste, den Titel "Pontifex Maximus", oberster Brückenbauer. Im Schlüssel sind die Hand Gottes und die Symbole der sieben Sakramente eingearbeitet, der Wirkzeichen Gottes. Petrus umfasst schützend die hl. Petronilla. Sie gilt als Fürsprecherin aller in Not Geratener vor Gott. Der Hahn zu Petrus Füßen deutet seine menschliche Schwäche an, ist aber auch Symbol der Wachsamkeit und Ruf zum Tagwerk.
In der Marktgemeinde Kapelln, zu der auch die Katastralgemeinde Killing gehört, liegt der geographische Mittelpunkt Niederösterreichs. Aus 18.000 bekannten Grenzpunkten errechnete DI Schubert den exakten Mittelpunkt (Y= -42.100m westlich des Bezugsmeridians M34,X= +5.348.138 m nördlich des Äquators).
Der Besucher genießt ein herrliches Voralpen-Panorama. An schönen Tagen sieht man im Hintergrund der Ortschaft Kapelln den Schneeberg und den Ötscher. Im November 1993 wurde die Max Schubert-Warte im Beisein von Kapelln Ehrenbürger Otto von Habsburg feierlich eröffnet.
Bürgermeister von Kapelln
| ab 1850 | F. Strobl, Etzersdorf |
| bis 1864 | N. Windhofer, Untermiesting |
bis 1873 | Josef Posch, Rassing |
bis 1875 | Johann Wutzl, Etzersdorf |
bis 1878 | Johann Hörhann, Kapelln |
bis 1882 | F.Hieger, Pönning |
bis 1915 | Anton Strobl, Etzersdorf |
bis 1919 | Franz Zöchbauer, Kapelln |
bis 1934 | Josef Kaiblinger, Kapelln |
bis 1938 | Michael Strohmayer, Etzersdorf |
bis 1940 | Josef Jlinetzky, Kapelln |
bis 1945 | Alois Bracher, Mitterkilling |
bis 1946 | Anton Steigberger, Rassing |
bis 1947 | August Hofbauer, Kapelln |
bis 1955 | Josef Wutzl, Etzersdorf |
ab 1956 | Franz Hörhann, Kapelln |
ab 1971 | Johann Baumgartner, Etzersdorf |
ab 1980 | Josef Schmied, Rassing |
| ab 2000 | Anton Schmied, Kapelln |
| ab 2008 | Florian Baumgartner, Etzersdorf |
| ab 2015 | Ing. Alois Vogl, Panzing |
Bürgermeister von Thalheim (von 1922 bis 1971 eigene Gemeinde)
| 1922 – 1925 | Franz Raiffeiner, Thalheim |
| bis 1932 | Franz Scharl, Thalheim |
bis 1938 | Leopold Frech, Thalheim |
bis 1945 | Anton Hell, Thalheim |
1945 | Josef Holzmann, Thalheim |
bis 1950 | Leopold Frech, Thalheim |
bis 1955 | Franz Scharl, Thalheim |
| 1956-1970 | Anton Hell, Thalheim |
Gemeindechronik ab 1945
| 13. und 14. 04.1945 | Ende des Zweiten Weltkrieges: das Marterl an der B1 ist Mahnmal der letzten Kriegstage um das Gemeindegebiet von Kapelln |
| 1960 – 1965 | Perschlingregulierung |
| November 1970 | Gemeindezusammenlegung mit Thalheim |
| 1977 | 900 Jahre Pfarrgemeinde |
| 1978 | Kindergartenbau, Wappenverleihung |
| 1979 | Errichtung des Gewerbebaumes durch die Landjugend |
| 1983 | Bau des Geschäftshauses und Sporthauses |
| 1. 10. 1983 | Erhebung zur Marktgemeinde |
| 1984 | 1. Gewerbemarkt |
| 1991 | Kindergartenzubau |
| 1993 | Errichtung der Petrusstatue |
| 1993 | Vermessung des Mittelpunkt NÖ, Errichtung der Max Schubert Warte |
| 1994 | Errichtung des Seniorenwohnheims |
| 1996 | Zu- und Umbau der Volksschule |
| 1996 | Baubeginn Wasserversorgung und Abwasserentsorgung |
| 2002 | 925 Jahre Marktgemeinde |
| 2004 | Errichtung der Andreas-Friedensswarte |
| 2005 | Beginn Umbau des Amtsgebäudes |
| 2008 | Eröffnung Themen-Erlebnisweg rund um den Mittelpunkt von NÖ |